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"L'État de Cassiland se rejouit de l'occasion de pouvoir montrer son attachement à la Convention Européenne des Droits de l'Homme à la Cour comme au public. Comme pays petit et médiocrement développé nous ne recevons pas beaucoup d'attention internationale. Toutefois, on n'estime pas les accusations fondées. Nos problèmes économiques et notre population inhomogène nous obligent de faire face à de nombreuses difficultés quotidiennes. Nous nous félicitons d'autant plus d'avoir des citoyens surmontant des obstacles et accomplissant un travail qui pourrait nous procurer l'attention souhaitée et contribuer à un progrès économique important. Le fonctionnement stable de notre État et l'encouragement des initiatives de nos citoyens font partie de nos priorités. La Convention étant à la base de notre conception étatique a toujours éte respectée. On donc demontrera que l'État de Cassiland ne l'a en aucun cas violée."

In unserem zweiten Jurastudienjahr übernahmen wir die Verteidigung des Staates Cassiland, dem eine Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention vorgeworden wurde. Bei den Jurisludiens, einer Minderheit in "unserem" Staate, wies man anhand von Experimenten ein Alkohol-Gen nach, und wir stritten in Folge um bioethische Fragen. Die ziemlich anstrengenden Vorbereitungen zum "Concours René Cassin des Droits de l'Homme" wurden für Anna-Lena, Katja, Carole und mich aufgewogen durch eine spannende Zeit beim "Plädieren" in den Räumlichkeiten des Europarats in Straßburg.

Im Sommer hatten wir uns zu einer Mannschaft für die Uni Würzburg zusammengeschlossen, im November bekamen wir dann unseren Sachverhalt von den Organisatoren des Moot Court. Der griff, wie oft, aktuelle Fragen auf, zu dem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg noch keine definitive Entscheidung getroffen hat. In unserem Jahr ging es schwerpunktmäßig um Bioethik: Als Verteidiger des fiktiven Staates Cassiland hatten wir die schwierige Aufgabe, DNA-Analysen zu rechtfertigen, die ohne Einwilligung der Betroffenen stattfanden. Hinzu kam, daß die Untersuchung Patienten eines psychiatrischen Krankenhauses erfaßte, die einer ethnischen Minderheit angehörten. Ein besonderes Problem stellte die Erteilung eines Patents auf eine im Zusammenhang mit der Untersuchung gefundene Analysemethode des menschlichen Erbguts dar. Hinzu kamen "traditionelle" Probleme im Bereich der Meinungsfreiheit und der Verfahrensgerechtigkeit (Art. 10 und 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention).

Als besonders spannend stellten sich die bioethischen Fragen heraus, zu denen man nicht einfach Urteile suchen und Kommentare abschreiben konnte, sondern wo wir viel mit Zeitungen und Internet arbeiten und auch philosophische und medizinische Dimensionen nicht außer Acht lassen konnten. Angesichts der knapp bemessenen Zeit vergruben wir uns im zum Moot-Court-Büro umfunktionierten Fachschaftszimmer und konnten unsere Schriftsätze buchstäblich in letzter Minute zur Post bringen.

Kurz vor der Endphase bekamen wir vier Schriftsätze von potentiellen Plädoyergegnern zugeschickt, die wir für unsere Plädoyers verarbeiteten. Wir liehen uns Roben und probten lautstark mit Videokamera im Uni-Hörsaal, teils zu Erstaunen und Verwunderung von Passanten und Kommilitonen. So versuchten wir, an Mimik und Gestik zu feilen. Das Ergebnis der "Trainingsstunden" führten wir dann in einer öffentlichen Generalprobe Professoren und anderen Studenten vor.

Vom 8. bis 13. April 2001 fuhren wir nach Straßburg. Der Wettbewerb fand im Conseil de l'Europe statt. Dort begegneten wir 60 Mannschaften aus Europa, Afrika und Nord- und Südamerika. In unseren beiden Plädoyers trafen wir auf Studenten des Collège d'Europe Natolin, Polen, und der Universität Sophia-Antipolis (Nizza). Unseren Text konnten wir 45 Minuten lang vortragen, danach gab es spontane Fragen von der Jury zu Urteilen des EGMR und zum Rechtsgefüge der EMRK. In für die nüchtern-deutsche Gewohnheit ausgefallenen französischen und italienischen Roben, die wir uns in voller Internationalität von anderen Teilnehmern zusammengeliehen hatten, umschifften wir auch einige "je ne sais pas"-Situationen. Zwischendurch wurde im Hotel Ibis gewerkelt und redigiert, wurden Kontakte geknüpft, oder man wanderte durch das Petite France, aß Flammkuchen, besorgte sich Garderobe für die Ballnacht und entdeckte nebenbei in internationalen Grüppchen Straßburg. Wir fanden heraus, dass es besonders windgeschützt und angenehm ist, wenn man per Räuberleiter in die großen Fensternischen der Straßburger Kathedrale klettert und es sich dort, am besten mit französischem Naschwerk, bequem macht. Dank Kontakten der Universität bekamen wir Würzburger auch eine Sonderführung durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte selbst.

Anläßlich der 600-Jahr-Feier der Universität Würzburg durften wir unseren Plädoyer-Auftritt noch einmal für das Bayerische Fernsehen wiederholen.



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2002 friederike lange