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Im August und September 2005 arbeitete ich als Visiting Researcher am Georgetown University Law Center in Washington, DC - für mich eine eindrucksvolle und horizonterweiternde Zeit.

Im August traf ich inmitten der Ferienzeit am Law Center ein, was einerseits durch die Tatsache, dass ich die Bibliothek fast völlig "exklusiv" nutzen konnte, angenehm war, andererseits aber Organisatorisches sowie den Kontakt zu amerikanischen Forschern und Studenten mühsamer machte. Mir wurde ein fester Sitzplatz ("carrel") in der Bibliothek zugewiesen sowie WLAN-Internetzugang und einen Zugang samt kurzer Einführung zu westlaw.

Schon vor meiner Abreise hatte mir die Universität Unterlagen geschickt, die den Anfang in Washington erleichtern sollten, mit Informationen etwa zum Transport vom Flughafen in die Stadt, zum Universitätscampus und zu Unterkünften. Für ausländische Forscher gibt es ein sehr gutes Handbook der Georgetown University, das von einer Beschreibung der Uni-Einrichtungen über Tips zum Einkauf von Telefonkarten bis hin zu einer Analyse der amerikanischen Mentalität einiges Interessante enthält.

Mit meiner Betreuerin, Professor Vicki Jackson, traf ich mich nach meiner Ankunft zu einem ausführlichen Gespräch über mein Projekt. In der Folgezeit stand sie mir per e-mail für Fragen juristischer Art zur Verfügung und unterstützte mich mit Literaturtips. Besonders hilfreich und weiterführend war ein Treffen mit Professor Mark Tushnet, der mir in der Diskussion über mein Vorhaben und seine Veröffentlichungen viele Anregungen gerade zu aktuellen Entwicklungen gab. Auf meine Bitte hin organisierte Professor Jackson für mich die Möglichkeit, an einer Verfassungsrechtsvorlesung teilzunehmen: Professor Susan Bloch erlaubte mir freundlicherweise, ihre Abendveranstaltung zum Verfassungsrecht zu besuchen. Hierbei war nicht nur interessant, einen Einblick in studentennahe und auf Dialog ausgerichtete amerikanische Lehrmethoden zu erhalten. Anhand von Fällen die Herangehensweise zur Auslegung von Materialien der Verfassungsväter und zum Arbeiten mit Gerichtsentscheidungen in den USA auf eine Weise zu lernen, die durch bloßes Literaturstudium nicht ersetzt werden kann, half mir, meinen handwerklichen Umgang mit Quellen im Zusammenhang mit meiner Dissertation zu verbessern. Zudem ergaben sich in der Diskussion mit den Abendstudenten, die meist tagsüber für den Congress oder die Regierung arbeiteten und somit mit der politischen und rechtlichen Verfassungspraxis vertraut waren, interessante Einblicke.

Während im August das Universitätsleben aufgrund der Ferienzeit eher ruhte, wurden im September eine Vielzahl von Vorträgen und Veranstaltungen angeboten. Juristisch besonders interessant wurde mein Aufenthalt in Washington dadurch, dass in diese Zeit die Vakanzen der Richterstellen am Supreme Court von Justice O'Connor und Chief Justice Rehnquist fielen und deren Nachfolge öffentlich diskutiert wurde. Daran beteiligte sich auch das Law Center: In diesem Zusammenhang besuchte ich etwa eine Podiumsdiskussion der Verfassungsrechtsprofessoren Georgetowns zur Zukunft des Supreme Court sowie ein Streitgespräch zwischen dem Harvard-Professor Charles Ogletree und Ronald Cass, Co-Chairman des Committees for Justice, über die Nominierung von John Roberts als Supreme Court Chief Justice. Politisch äußerst interessant war eine Rede des israelischen Botschafters in den USA am Law Center, der sich mit der aktuellen Situation im Nahen Osten befasste. Während meines Aufenthalts in Washington organisierte die Georgetown University auch Veranstaltungen für ausländische Besucher: Eine "welcome reception" für neue internationale Studenten und Forscher und eine "international coffee hour" für visiting researchers.

Eine Wohnung in Washington hatte ich schon von Deutschland aus über das Internet (www.craigslist.org) gefunden. Zwar gibt es auch eine unversitäre Datenbank zu Wohnmöglichkeiten, die jedoch nur wenige Einträge enthält. Etwas bedauert habe ich, dass sich für "visiting researcher" im Gegensatz zu den Masterstudenten am Georgetown University Law Center relativ wenige Schnittstellen für Kontakte mit amerikanischen Studierenden, Promotionsstudenten oder Universitätsmitarbeitern sowohl fachlicher als auch persönlicher Art bot - dieser Eindruck mag an der Kürze meines Aufenthalts liegen, vielleicht aber auch daran, dass das "visiting researcher"-Programm für die Law School neu und noch nicht alles bis ins Einzelne organisiert ist. Dies wurde aber dadurch aufgefangen, dass Washington selbst eine Unmenge von Aktivitäten bietet, die es einfach machen, Kontakt zu anderen zu finden. Eine gute Anlaufstelle war etwa MeetInDC, eine Internetplattform insbesondere für Leute, die neu in der Stadt sind: hierüber habe ich bei Art-Walks, gemeinsamen Restauranterkundungen oder Wanderungen viele interessante Menschen kennengelernt. Von Washington aus bieten sich auch Ausflüge an: Mit dem Chinatown Bus erkundete ich an Wochenenden New York in Philadelphia.



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2002 friederike lange